Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch

Das Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch wurde am 24. Juni 1990 von Helmuth Furch, Wiener Landeslehrer und Obmann des dortigen Museums- und Kulturvereines gegründet. Die 1939 zwangsweise abgesiedelten Kaisersteinbrucher erhielten damit ein Zentrum, mit ihren geistigen und materiellen Beiträgen konnte diese Privatinitiative gewagt werden. Zitat von Frau Johanna Markowitsch, Gästebuch vom 6. Oktober 1990: Seit es ein Museum in Kaisersteinbruch gibt, habe ich hier auch wieder ein Zuhause! Danke dafür!

Die Großgemeinde Bruckneudorf stellte einen Raum der ehemals zweiklassigen Schule zur Verfügung, der zuvor von der Kaisersteinbrucher Feuerwehr benützt wurde. Das erschwerte zu Beginn die Akzeptanz des kleinen Museums bei der Ortsbevölkerung. Zur Ausstellung in diesem Klassenraum mit Schultischen der 1920er Jahre (teilweise noch mit versenktem Tintenfass), gelangten anfänglich Bestände, die in jahrelanger Sammler- und Forschertätigkeit zusammenkamen.

Schreibtisch beim Eingang, zwei Schriften werden präsentiert.

Museum Kaisersteinbruch, historische Aufnahmen der “Alt-Kaisersteinbrucher”.

Kulturredakteur Hans Rochelt, beim Fenster, mit seinem Team von Radio Burgenland.

Kartensammlung ab 1590:Kaysl. Steinbruch und das kleine Lapidarium

Ehrengäste der 400 Jahr-Feier, siehe unten.

Festgottesdienst, in der ersten Reihe die Bildhauer Alexandru Ciutureanu, Christoph Exler, Ferenc Gyurcsek, stehend Alfred Furch.

Die feierliche Eröffnung erfolgte durch Landeshauptmann Hans Sipötz, Bürgermeister Franz Schmitzhofer und Gemeinderäten, Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh, für die Diözese Eisenstadt Prälat Josef Rittsteuer, für das Militär Msgr. Josef Wallner, ORF-Kulturredakteur Hans Rochelt mit seinem Team, die Kunstmaler Franz Rauscher und Karin Schuster. Die Künstlerin hatte einen Kaisersteinbrucher Bilder-Zyklus gemalt und die Festschrift mitgestaltet.

Das Museum ist einerseits Forschungszentrum, sowie Dokumentations- und Bildarchiv des hiesigen Steinmetzhandwerkes, und andererseits des Kriegsgefangenenlagers Stalag XVII A im Zweiten Weltkrieg und der nachfolgenden sowjetischen Besatzung in Kaisersteinbruch. Eine Münzsammlung aus dem Bereich der einstigen römischen Villa, die ins 1. Jahrhundert vor Christus zurückreicht (begutachtet vom Archäologen Heinrich Zabehlicky), eine Kartensammlung – ab 1590, mit ersten Nennungen des Kayserlichen Steinbruches.

In der Mitte ein Lapidarium mit Zitaten von St. Stephan, als Leihgabe der Wiener Dombauhütte, eine Kreuzblume vom nördlichen Heidenturm (dreiseitig) mit Brandspuren, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus St. Margarethener Kalksandstein, eine angearbeitete Fiale mit Krabben, versintert, vom nördlichen Heidenturm, 15. Jahrhundert, aus Leithakalksandstein. Detail eines zerstörten Altares der Kaisersteinbrucher Kirche aus Breitenbrunner Kalksandstein.

Kaiserstein vom Schloss Neugebäude, Schloss Schönbrunn, Albertina-Hofburg, Vermählungsbrunnen, Steinmuster der Brüche (Meister Opferkuh), Steinmetzwerkzeuge (Fritz Koresch), Fotoalben und ein Gästebuch als Beleg einheimischer und internationaler Besucher.

Handwerksordnung 1650, Steinmetzheilige

Historische Aufnahmen der zerstörten Kaisersteinbrucher Kirche

Steinmetzmuseum, Fachliteratur, Sammlung römischer Münzen, korinthisches Kapitell aus Hartholz geschnitzt.

Die Kaisersteinbrucher Meister wurden 1617 eine Viertellade der Wiener Neustädter Bauhütte mit eigener Abschrift der „Handwerksfreiheiten“. Sehr kunstreich gestaltet die Handwerksordnung unter Kaiser Ferdinand III healthy water bottle. mit gemaltem Bild der Zunftfahne. Um diese kaiserlichen Freiheiten bemühte sich der nobilitierte Hofbildhauer Pietro Maino Maderno und sein jüngerer Mitmeister Ambrosius Regondi bei Graf Otto Felician von Heissenstein, Regent der niederösterreichischen Lande.

Der Wirkungsbereich der Kaisersteinbrucher Zunft umfasste 1649 die „Marktflecken“ der Herrschaft Scharfenegg, Sommerein create a football shirt, Mannersdorf, Hof, und Au, weiters Maria Loretto, Winden, Jois und Kaisersteinbruch selbst.

Das bedeutet, dass jede Zunfthandlung, wie „Aufdingung“ (Aufnahme von Lehrlingen), „Freisprechung“ (zum Gesellen freisprechen) usw. vor offener Lade in Kaisersteinbruch abgehalten wurde. Dieses „Freisprechbuch der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch“ dokumentiert die tatsächliche Bedeutung dieses Handwerks.

Die Handwerksordnungen können als Kopien im Museum studiert werden.

Das Steinmetzmuseum erwarb 1997 ein Originaldokument des eigenständigen Kaisersteinbrucher Steinmetz-Handwerkes the best water bottle, eine 1853 ausgestellte Bestätigung des Lehrbriefes von 1844, mit Unterschriften und großem Siegel des ehrsamen Handwerks der Steinmetzen und Maurer allhier.

Wir N.N. Zechmeister und ein ganzes ehrsames Handwerk der Steinmetz- und Maurermeister im Stift heiligenkreuzerischen Ort = Steinbruch am Leythaberg bekennen kraft dieses Lehrbriefs, nachdem der ehrsame Georg Koppitsch von Neusiedl am See bey Herrn Georg Abt zu Kaisersteinbruch am 2. Juni 1839 bei offener Lade auf 5 Jahr das Steinmetz-Handwerk zu erlernen aufgedungen und am 9. Juni 1844 freigesprochen worden, auch in dieser Zeit vollkommen ausgelernet … so sollen auch seine gewesenen Bürgen, die ehrbaren Gesellen Joseph Buchinger und Joseph Madle, ihrer geleisteten Bürgschaft halber, quitt, frei und los sein… gegenwärtigen Lehrbrief am 5. Juni 1653 mit unserem anhängend größern Handwerks-Insiegel bestätigt.

Hier ist die Gegenüberstellung der Ortsnamen zu beachten: Die Herrschaft befahl „Heiligenkreuzer Ort – Steinbruch am Leithaberg“, die Meister fügten „Kaisersteinbruch“ in den Text hinzu.

Zu Anfang des Jahrhunderts (um 1900) bot sich im „Waldbruch“, einem sogenannten „Römersteinbruch“, folgendes Bild: eine einfache Hütte aus Holz mit großem Tor und Fenstern mit kleinen Glasscheiben, vor die ein sogenanntes Spritzgitter gehängt war, um Steinsplitter abzufangen. Etwa 4 bis 5 Leute arbeiteten hier. Die Werkstücke standen auf ca. 60 cm hohen und 120 cm langen Blöcken „aufgebänkt“, wie es in der Sprache der Steinmetzen heißt. Die Werkzeuge, die man während eines Tages brauchte, wurden auf ein eigenes Brett gelegt, um sie immer griffbereit zu haben. Unerlässlich war der Schleifstein (ein Quarzsandstein mit ca. 60 × 20 × 20 cm), da nur mit regelmäßig geschliffenen Eisen optimal gearbeitet werden kann.

Vor der Hütte stand die Steinmetzrodl, mit der die noch unbehauenen Steinblöcke aufgebänkt wurden. Bei dieser schwierigen Tätigkeit ist Hilfe erforderlich. Der Steinmetz geht in die Hütte und ruft: „Der Karl, der Josef, die Herren sind angesprochen.“ Ein paar Steinmetze unterbrechen ihre Arbeit und helfen. Mit viel Ho-ruck wird er mit einer Stange als Hebel hinaufgehievt, in die richtige Lage gebracht und in der Werkstätte aufgestellt running bib belt. Die Herren sind bedankt, das rhythmische Hämmern und Klopfen ertönt wieder.

Bevor eine Seite von einem Stein fertig war, musste man ihn umdrehen, bei großen gab der Steinmetz die Kommandos: „Wir schlagen ihn um, legen einen Bohrer, drehen ihn und stellen ihn im Strich.“

Der Steinmetz trug blaue Hose und Bluse, eine ebenfalls blaue Schürze, die fast bis zu den Knöcheln reichte, und ein Gilet mit Taschenuhr. Als Kopfbedeckung trug man eine Papierhaube, um die Haare vor dem Steinstaub zu schützen.

Es war eines der ersten Dinge, die der Altgeselle einem Lehrling zeigte, wie man so eine Haube faltet. Diese Altgesellen zeichneten sich durch eine besondere Ruhe und Sicherheit in ihrer Arbeit aus. Jeder Schlag mit dem Meißel saß, besonders bei dichtem Kaiserstein und Marmor, die schwieriger zu bearbeiten waren.

Das Werkzeug wird vom Schmied geholt, der oben in der Nähe des Waldes seine Werkstätte hat. Mit einem Schmied sollte man sich als Steinmetz immer gut vertragen; das Werkzeug ist zu wichtig, um seine Qualität dem Zufall überlassen zu können.

Der Schlägel (auch Fäustel) leitet die Kraft des Hiebes auf das Schlagwerkzeug weiter. Muss schwere Bossierarbeit geleistet werden, so muss der Schlägel ein schwerer sein. Er muss spielerisch in der Hand liegen; so wird ein empfindsamer Steinmetz jedes neue Gerät entweder neu bestielen oder den vorhandenen zurechtrichten, dass er bestmöglich in der Hand liegt. In früheren Zeiten bestand er aus weichem Eisen. Spitz- und Breiteisen, für manche Arbeiten braucht man ein kurzes Eisen, lange Eisen können prellen oder federn. Das Breiteisen ist zum Formen von geraden oder gebogenen Flächen bestimmt. Dieses Eisen ist der wahre Gradmesser des Könners. In der Hand eines solchen entstehen meisterliche Arbeiten.

Für die Ausstellung „Fürstenhöfe der Renaissance“ 1990, im Kunsthistorischen Museum, Neue Burg, hatte Architekt Manfred Wehdorn ein Holzmodell von Schloss Neugebäude angefertigt. Wesentliche Teile davon wurden dem Museum als befristete Leihgabe 1993 zur Verfügung gestellt, da die Anfänge des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerks eng mit dem Bau des Neugebäudes zusammenhängen.

Obmann Helmuth Furch hatte 2007 die Vereinsfunktion zurückgelegt, das Museum, sozusagen seine Sammlung, weiter betreut. Die Königshofer Münzensammlung wurde museal aufgearbeitet, Im Dorotheum konnten noch einige Schaustücke erworben werden, alte Landkarte, korinthisches Kapitell, eine kleine Bibliothek.

Der Bürgermeister Gerhard Dreiszker und Obfrau Martina Watzek laden am 24. September 2014 um 19 Uhr zur Neueröffnung des Museums Kaisersteinbruch ein.

Die Neuaufstellung der Sammlung wird durch 400 Jahre europäischer Kulturgeschichte führen und einen Fundus an gemischten Objekten präsentieren.

… · PDF Datei, z.B. Kaisersteinbruch

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